Eine ganz besondere E-Bike Genusstour von Leogang nach Saalfelden

Meine Lieben, ihr wisst ja, ich reise gerne, sehr gerne auch weit weg und lasse mich dann kulinarisch gut verwöhnen. Und die Genusstour im Salzburgerland im Juli 2022 hat mir wieder einmal gezeigt und mich daran erinnert, dass es gar nicht notwendig ist lange Reisen auf sich zu nehmen, denn das Gute liegt oft wirklich nahe bzw. in der Nähe.

Bevor ich genauer auf meine Genusstour eingehe, eine kleine Vorgeschichte. Ich wurde von Salzburgerland Tourismus gefragt, ob ich nicht eine E-Bike Genusstour mitmachen möchte. Ich konnte mir nicht viel darunter vorstellen, habe aber aus Neugier zugesagt. Außerdem dachte ich mir, wenn es in die Berge geht, wird es schon irgendwie toll werden. Angereist bin ich mit dem Zug aus Wien. In Salzburg-Stadt musste ich in den Regionalexpress umsteigen, der mich direkt an mein Ziel gebracht hat. Alleine diese Fahrt war schon vielversprechend, denn ich bin an so vielen wunderschönen Gegenden vorbeigefahren, sodass meine Vorfreude immer größer wurde. Vorbei bei Hallein und Zell am See kam ich in schließlich am Bahnhof in Leogang an. Mein erster Eindruck: eine traumhaft schöne Kulisse, umgeben von den beeindruckenden Leoganger Steinbergen.

Genussreisen im Salzburgerland

Wenn ich jetzt einen eigenen Beitrag über die Genussreisen im Salzburgerland verfassen müsste, dann würde dieser Beitrag wahrscheinlich sehr, sehr viele Seiten lang und selbst dann, ich hätte immer noch nicht über alles berichtet. Wenn man jetzt denkt: „Naja, was kann das Salzburgerland schon kulinarisch bieten? Da gibt es Salzburger Nockerl, Mozartkugeln und Bosna.“ Aber dem ist weit, sehr weit gefehlt.

Wer sich auf eine kulinarische Entdeckungsreise durch das Salzburgerland begibt, trifft auf köstliche und hochqualitative Inspirationen von Biobauern und Produzenten. Man erlebt Spitzenköche auf höchstem Niveau und lernt Genusshandwerker kennen, deren Erzeugnisse man mit allen Sinnen genießen kann. Das tolle Angebot bei diesen Genussreisen ist enorm, vielseitig und unglaublich beeindruckend.
In diesem Beitrag möchte ich „nur“ auf die E-Bike Genusstour in Leogang beschränken und euch meine Eindrücke berichten. Infos über alle anderen Tour-Möglichkeiten könnt ihr hier nachlesen: Angebote buchbarer Genussreisen.

E wie effizientes E-Bike

Wer mich kennt, weiss: „Der Thom isst gerne und gut, aber mit Sport hat er es nicht so.“ Ich bin ja auch kein großer Fan von Radfahren und auf einem E-Bike bin ich sowieso noch nie gesessen. Aber… ich habe diesen Tag und die Tour vollkommen genossen.

Am Beginn der Tour gab es eine Einführung von unserer Guide, wo mir ausführlich erklärt wurde, wie man mit einem E-Bike fährt, worauf ich zu achten habe und was ich lieber lassen sollte. Es stellte sich dann heraus, es ist wirklich ein vereinfachtes, aber oder gerade deswegen ein tolles Radfahren, das mir sehr viel Spass gemacht hat. Ja, sogar als es den Berg hinaufging. Natürlich muss man auch in die Pedale treten und etwas tun, aber das ging viel leichter, als auf einem Rad ohne elektrischen Antrieb.

Sportlich und kulinarisch durch den Tag

Vorne weg… auf dieser Tour liegen unzählige Genusshandwerker und Direktvermarkter. Das sind die regionalen Bauernbetriebe, die täglich ihr Handwerk mit Liebe und viel Einsatz ausüben. Wenn man Glück hat, erwischt man sogar die Gutsherren und -damen und kann mit ihnen ins Gespräch kommen. Dabei ist mir eines besonders aufgefallen: die Menschen in Leogang sind äusserst herzlich und aufgeschlossen und erzählen mit großer Überzeugung, Stolz und Hingabe von ihrer Arbeit.

Diese Tourstrecke verläuft zwischen Leogang und Saalfelden. Man kann entweder in Leogang oder in Saalfelden starten und fährt dann auch wieder zum Abfahrtsort zurück. Unser Startpunkt war die Asitzbahn in Leogang. Dieser Punkt ist übrigens auch zum Wandern ein hervorragender Startpunkt, denn man kann auf knapp 1850m auf den Berg „Asitz“ fahren und dort gleich mehrere Wanderrouten abklappern.

Viele der hiesigen Bauernbetriebe führen einen Laden, wo sie ihre Produkte zum Verkauf anbieten. Oder sie haben Kühlschränke vor der Eingangstür, die mit ihren Erzeugnissen gefüllt sind. Praktisch, weil so kann man sich rund um die Uhr holen, was man gerade braucht. Daneben steht eine Kasse, in die man das Geld einwirft. Man setzt hier auf die Ehrlichkeit der Besucher und dieses System dürfte bestens funktionieren.

Von der Asitzbahn sind wir gut 3 bis 4 km Richtung Saalfelden über Wiesen, Radwege und Strassen zu unserem ersten Bauernhof gefahren, der Zieferhof. Idyllisch gelegen, erkennt man einen Kuhstall, eine kleine Milchhalle und einen kleinen Bauernladen – fast wie im Bilderbuch.

Und wie oben beschrieben: der Zieferhof nennt seinen Kühlschrank vor seinem Laden „Gerstbodn-Muich-Kistl“ – der Hof liegt nämlich im Ortsteil Gerstboden. In einem Schrank versteckt sich ein Kühlschrank voll mit Produkten, die hier am Hof hergestellt werden. Angefangen von Frischmilch, Molke, Eiskaffee, bis über Käse und andere Milchprodukte. Aber man findet in der „Muich-Kistl“ auch Fleisch- und Fischprodukte.

Das hat mir übrigens besonders gut gefallen. Die Menschen helfen sich hier gerne aus und man unterstützt sich, wo man kann. Die Fleisch- und Fischprodukte im Muich-Kistl stammen zB. von anderen Höfen rundherum. Die Bauern bieten sch gegenseitig Verkaufsmöglichkeiten, damit sie ihre Produkte absetzen können. Dahinter steckt auch der Sinn, dass keine Lebensmittel ablaufen sollen.
Wenn man den kleinen Laden „Mei Muich“ betritt, findet man auch zusätzlich Nudelprodukte. Auch diese werden hier am Hof selbst hergestellt.

Für mich persönlich war es ein Highlight einen Blick in die Milchverarbeitung zu werfen und ein paar Wörter mit dem Hausherren zu wechseln. Es war schön zu hören, dass hier in dieser Region alle Betriebe großen Wert auf regionale und saisonale Produkte legen. Man behält einen größeren Anteil ihrer Milch für sich selbst und gibt weniger an Grossfabriken ab, wo die Milch weiterverarbeitet wird. So kann die originale Qualität erhalten bleiben. Ein Satz, der mir sehr im Ohr geblieben ist, lautet: „Frischmilch ist bis zu 4 Tage haltbar, Haltbarmilch hingegen bis zu 1 Jahr.“ Das hat mich nachdenklich gemacht, denn man muss sich überlegen, was mit dieser Milch passiert, wenn diese so lange haltbar gemacht wird.

Weiter auf der Tour: nach einer reichlichen Jause mit Schinken, Speck, Topfen, Käse und Joghurt ging es dann auch schon weiter.

Next Stop: Sinnlehen Alm auf 950m

Nach weiteren 5-6 km haben wir die Sinnlehen Alm erreicht. Ich muss zugeben, ich habe anständig geschwitzt, aber das lag viel mehr am heissen Wetter als an der Auffahrt zur Alm. Ich war mehr als überrascht, wie einfach es doch sein kann mit einem E-Bike auf 950m Seehöhe zu fahren. OK, etwas habe ich mich schon geplagt, aber das gute Essen muss ja auch wieder abgearbeitet werden. Diese Alm ist übrigens auch zu Fuss oder mit dem Mountainbike erreichbar (Anm. von mir: Mountainbiken ist hier übrigens richtig beliebt! Die Gegend ist ein Mekka für Mountainbiker!)

Oben auf der Alm angekommen, stellt man schnell fest, dass sich jeder Meter Aufstieg bzw. Auffahrt gelohnt hat. Dieser herrliche, uneingeschränkte Ausblick auf das Leoganger Tal, die Leoganger Steinberge und das Birnhorn (2634m) ist unbeschreiblich schön.

Abgesehen von der unglaublichen Aussicht, sind wir ja auf einer Genusstour. Und hier wird auch einiges geboten.

Die Sinnleher Alm ist in Familienbesitz. Der Bruder des Betreibers hat sich 1995 dazu entschlossen die Kunst der Käseherstellung zu vertiefen und hat es sich zur Hauptaufgabe gemacht Qualitätskäse herzustellen (Käserei). Die Milch dazu kommt von eigenen 12 Jerseykühen, die wunderschön braun und für ihre hohe Milchleistung bekannt sind. Das Genussangebot auf der Sinnlehen Alm ist einfach ein Traum. Hier wird fast alles selbst gemacht: Wurst, Speck, Aufstriche, Käse, Topfen, Salat und Gemüse aus dem Garten. Sogar die Eier und die Milch ist vom eigenen Hof und es schmeckt alles so fantastisch gut!

Geschmacklich kann ich euch gar nicht in Worten sagen, wie toll alles geschmeckt hat. Ich bin ja nicht so der Freund von Kaiserschmarren, aber ob mit oder ohne Rosinen, diesen müsst ihr probieren, wenn ihr hierher kommt. Da die Familie die Alm bewirtschaftet, sind an manchen Tagen auch deren Kinder vor Ort mit dabei. Diese sorgen mit großer Freude für gute Laune und erzählen trotz ihres jungen Alters mit Begeisterung, welche Tiere auf der Alm zu finden sind. Ich hatte Glück und wurde von der größeren Tochter (10 Jahre alt) herumgeführt. Als Entertainment-Highlight hat sie mir ihre dressierte Ziege gezeigt (findet ihr sicher auf TikTok). Ich sag’s euch, diese Alm ist ein ABSOLUTES MUSS, wenn ihr in der Gegend seid. Mehr Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität geht nicht.

Da wir hier natürlich nicht ewig bleiben konnten und noch mehr sehen wollten, ging es wieder bergab zur nächsten Station.

Frisches Obst, Gemüse und Biofleisch – rund um die Uhr

Wir befinden uns jetzt auf der Landstrasse Richtung Saalfelden. Links von uns die Steinberge, rechts Leogang. Mittendrin eine einfache Holzhütte. Die Bio-Gemüsehütte der Familie Stechaubauer bietet täglich frisches Obst, Gemüse, Eier, Biofleisch und sogar Blumensträuße.

Man tritt in diese Hütte ein und befindet sich in einem Raum voller größerer und kleinerer Schließfächer. Diese sind gefüllt mit Bioprodukten der Familie Stechaubauer. Nach der Produktnummerneingabe auf einem Display und Bezahlung, öffnen sich die gewünschten Schließfächer und man bekommt, was man gerne hätte. Das Konzept ist so simpel und doch so unglaublich genial und nachhaltig!

Gleich gegenüber der Bio-Gemüsehütte, am Fusse der Leoganger Steinberge, seht ihr auch direkt woher all das Gemüse kommt. Alles ist auf eigenen Feldern selbst angebaut und verarbeitet. Mehr Frische und mehr Bio ist nicht möglich. Hinter der Hütte sieht man den Bauernhof und die vielen hundert Hühner, die sich frei bewegen können.

Und nun geht es weiter Richtung Saalfelden.

Wir sind mit den E-Bikes die Landstrasse weiter Richtung Saalfelden gefahren, direkt zu zu Misssis Alpeneis – das war unsere letzte Station des Tages. Die Idee hinter Misssis Alpeneis entstand während der Coronazeit und ist sowohl einfach, als auch einleuchtend: Cremiges Alpeneis aus regionalen Zutaten mit den höchsten Ansprüchen für den besten Geschmack und nachhaltige Qualität. Für dieses kleine, regionale Eiswunder fallen mir daher folgende Schlagwörter ein, die deren Qualität prägen: BEWUSST, REGIONAL, NATÜRLICH und CREMIG.

Zur Erklärung: Herkömmliche Vanille, wie wir sie (leider) zumeist kennen, stammt von massenproduzierenden Monokulturen in Madagsakar. Die Vanille für das Misssi Alpeneis hingegen stammt von einem Pinzgauer Start Up, das ausgewählte Kleinbetriebe in Uganda einerseits fördert und andererseits erfolgreich von ihnen produzieren lässt.

Ebenso verzichtet Misssis voll und ganz auf Geschmacksverstärker, Aromen und Farb-zusätzen. Wie das möglich ist? Durch Regionalität und Saisonalität.

Die Auswahl an Eissorten ist nämlich je nach Saison verschieden. Da braucht es keine künstlichen Zusätze um einen Geschmack herbeizuzaubern. Neben den Klassikern wie Erdbeere, Vanille und Schokolade gibt es noch tolle Eisdessert-Kreationen wie Marillen-Topfenknödel, Schwarzwälder-Kirsch, Mozart-torte und mein persönliches Highlight Cheesecake mit Erdbeersauce.

Besser kann eine Genusstour nicht enden.

Nach spannenden 4,5 Stunden Genusstour von Leogang nach Saalfelden ging es dann wieder zurück an den Anfangspunkt zur Asitzbahn. Da wir mit einem E-Bike unterwegs waren, konnte ich mich auf dem Weg zurück in meinen Gedanken versinken und die letzten Stunden Revue passieren lassen. An den Steinbergen vorbei, mit der Sonne im Rücken und dem Wind am Helm, erinnerte ich mich mit einem Lächeln an die vielen genussvollen Momente.

Während der Fahrt auf meinem E-Bike habe ich mir überlegt, welcher Moment dieser Tour für mich der schönste war. Dabei kam ich zum Schluss, dass alles, was ich heute erfahren durfte etwas ganz Besonderes war und dass die Menschen hier in Leogang einfach ein tolles Leben führen. Die Genusshandwerker haben sich selbst (Produktions-)Nischen geschaffen, in den sie nicht nur hervorragend gut sind, sondern auch, wo sie mit ihrer Arbeit und ihren Erzeugnissen den Mitmenschen helfen und ihnen Gutes tun können. Für einen gesünderen Lebensstil, eine bessere Lebensqualität und eine bessere Gesundheit in der Bevölkerung. Ich habe zB. erfahren, dass der Biohof-Anteil in Salzburg bei 65% liegt. Das ist enorm hoch, denn der Anteil in ganz Österreich liegt bei 30%. Das Land Salzburg ist Spitzenreiter, denn dieser Anteil ist auch gleichzeitig der höchste Wert in der gesamten EU. Das ist doch erstaunlich oder?

Was bedeutet das? Was ist mein Fazit?

Wenn ihr Lust auf eine Genusstour in Kombination mit einer unglaublich schönen Landschaft habt, wo ihr extreme Gastfreundlichkeit erleben könnt, besucht unbedingt die Region Salzburgerland. Nach meinem heutigen Ausflug, kann ich Leogang wärmstens empfehlen. Auf der E-Bike Genusstour liegen allerdings weit mehr Betriebe, Bauernhöfe, Almen und Hütten, die ihr besuchen könnt, als ich es getan habe. Erkundigt euch aber über die Öffnungszeiten, diese sind nämlich je nach Saison und Tag unterschiedlich. Was aber so gut wie alle Betriebe und Bauernhöfe haben sind, kleine Selbstbedienungskühlschränke in denen man sich 24 Stunden und 7 Tage die Woche nehmen kann, was man braucht und möchte und wofür man selbstverständlich fair bezahlen muss. Sogar auf unbewirtschafteten Almen wird dies angeboten.

Dieser Ausflug war für mich eine großartige Möglichkeit zu lernen, wie einfach es sein kann, wenn man Nachhaltigkeit wirklich lebt. Das Salzburgerland ist da ein perfektes Beispiel dafür. Selbst nach der Genusstour habe ich noch weitere lokale Betriebe in Leogang besucht, wo ausschließlich regionale Produkte angeboten wurden, angefangen vom Almrind Beef Tatar über die Leoganger Forelle, bis hin zu selbstgebrannten Gins.

Auf den vielen Kilometern, die wir mit dem E-Bike absolviert haben, war es ein durch und durch wundervoller, kulinarisch hochwertiger und selbstverständlich auch sportlicher Tag, den ich immer wieder bestreiten würde. Aus tiefstem Herzen kann ich dieses Erlebnis weiter empfehlen! Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass ich die Gegend erkunden und besser kennenlernen durfte.

Für mehr Informationen zur Region Salzburgerland und deren Genusstouren lege ich euch hier noch 2 Links parat, wo ihr alle nötigen Informationen finden könnt:

Genussreisen Salzburgerland

E-Bike Genusstour Leogang – Salzburg

Hier ein Link zum Video auf Instagram über die Genusstour.

Die beiden schönsten Dinge sind die Heimat aus der wir stammen, und die Heimat, nach der wir wandern.


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